Zusatzbeiträge könnten zur Regel werden
Mai 23rd, 2011 | By Schreiberling | Category: Finanzen & VersicherungenEs ist noch nicht viele Jahre her, da wurden die Beiträge zu den gesetzlichen Krankenkassen zu gleichen Teilen vom Arbeitnehmer und Arbeitgeber bezahlt. Um die Lohnnebenkosten nicht zu stark steigen zu lassen, wurde dadurch insbesondere von Arbeitgeberseite Druck auf die Kassen ausgeübt, die Kosten in den Griff zu bekommen. Die politischen Entscheidungen der letzten Jahre, die sogenannten ‘Gesundheitsreformen’, haben dieses Prinzip aufgeweicht bzw. völlig zunichte gemacht, indem der Arbeitgeberanteil eingefroren wurde, der Arbeitnehmerbeitrag einheitlich festgelegt wird und die Kassen seit 2011 die Möglichkeit haben, einen einkommensunabhängigen Zusatzbeitrag in im Prinzip unbegrenzter Höhe zu fordern. Dies soll den Wettbewerb zwischen den Kassen fördern, in der Praxis führen diese Beschlüsse aber lediglich dazu, dass ein immer größerer Teil der Krankenkassenbeiträge auf die Versicherten abgewälzt wird.
Der Bund der gesetzlichen Krankenversicherung hält für die nächsten Jahre Zusatzbeiträge von 70 Euro pro Monat für möglich und das dürfte noch nicht das Ende sein. Es entsteht der Eindruck, daß sich die Kassen immer mehr auf die Zusatzbeiträge und die Begründung für deren Höhe konzentrieren und das eigentliche Ziel, Einsparmaßnahmen zu erschließen aus dem Auge verlieren. Es ist unverständlich, warum wir immer noch 156 gesetzliche Krankenkassen brauchen, die sich weder im Leistungsspektrum noch im Beitrag wesentlich unterscheiden, hier könnte massiv Geld – das Geld der Versicherten – gespart werden. Obwohl permanent von der angespannten Finanzlage bei den Krankenkassen geredet wird, haben auch 2010 wieder mehr als die Hälfte der Kassen die Vorstandsgehälter erhöht. Wenn der Vorsitzende einer der größten gesetzlichen Krankenversicherungen 2010 ein Jahresgehalt von 278.160 Euro bezogen hat, ist die Frage nach der Verhältnismäßigkeit schon einmal angebracht, wie viele Patienten hätten für dieses Geld behandelt werden können.
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