Kassenvorstände machen Kasse

Apr 1st, 2010 | By st | Category: Wirtschaft

Ungeachtet der fast täglichen Meldungen über zu knappe Kassen und ständig steigende Kosten im Gesundheitswesen, haben sich die Vorstände der gesetzlichen Krankenkassen im vergangenen Jahr zum Teil recht erstaunliche Einkommenserhöhungen gegönnt. Während selbst die DAX30-Vorstände 2009 im Schnitt leichte Gehaltseinbußen hinnehmen mussten, konnte man der seit 2004 gesetzlich vorgeschriebenen Veröffentlichung der Vorstandsgehälter im Bundesanzeiger entnehmen, dass sich der Vorstand der Techniker Krankenkasse, Norbert Klusen, 2009 über einen zehnprozentigen Anstieg seines Grundgehaltes um 25.000 EUR auf rund 271.000 EUR freuen konnte. Die Gehälter der Barmer- und DAK-Vorstände wurden um ca. 4000 Euro angehoben, wodurch sich das Gehalt der Barmer-Chefin Birgit Fischer auf rund 203.000 Euro summierte und bei DAK-Vorstand Herbert Rebscher auf ca. 235.000 Euro. Die DAK gehört im Übrigen zu den Kassen, die neuerdings einen Zusatzbeitrag von 8 Euro erheben.
Die Allgemeinen Ortskrankenkassen vergeben zwar etwas bescheidenere Grundgehälter, langen aber für zusätzliche Boni tiefer in ihre Taschen. So kam Rolf Steinbronn, Vorstand der AOK Plus (Sachsen/Thüringen), zwar „nur“ auf ein Grundgehalt von 179.500 Euro, konnte aber dank eines hübschen Bonus von 47.880 Euro am Ende mit 227.000 Euro dann auch in der obersten Liga mitspielen. Ähnlich Helmut Platzer, Chef der AOK Bayern, der sich trotz bescheiden ausnehmenden Grundgehaltes von 176.000 Euro mit einer Prämie von knapp 51.000 Euro ebenfalls in die Königsklasse schießen (hieven) konnte. Der Gedanke um die Zeit ohne Chefposten wird Platzer auch keine schlaflosen Nächte bereiten, ist ihm doch mit einer jährlichen Pension in Höhe von 60% seines derzeitigen Jahresgehaltes ein sorgloser Ruhestand sicher. Die gesetzlichen Krankenkassen nehmen sich offensichtlich beim Thema Altersversorgung an den Pensionen der Staatsbeamten ein Beispiel.

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Vor dem Hintergrund, dass die Veröffentlichung der Vorstandsgehälter vorgeschrieben ist, und – wie die Kassen selbst Vorwurf erheben – wohl auch ein voyeuristisches Bedürfnis bedient, zeugen diese Gehaltserhöhungen in Zeiten der Krise von einem strotzenden Selbstbewusstsein der Kassenmanager. Nicht zwangsläufig jedoch auch von gesunden Bilanzen. Diese mögen dank kreativ angewendeter Bilanzierungs- und Verschiebungsmethoden bei einigen Krankenkassen zu ansehnlichen Überschüssen in den Kassenbüchern geführt haben. Die finale Tragfähigkeit der Jahresabschlüsse wird sich jedoch erst am Ende des Tages beweisen, wenn Rückzahlungsansprüche des Gesundheitsfonds und des Bundesversicherungsamtes geklärt und bedient wurden.

Vielleicht will man aber auch nur weitsichtig und rechtzeitig genug goldene Fallschirme aufstellen, um bei der sich rasant vollziehenden Konsolidierung und Fusionierung der noch 169 gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland den unvermeidlichen Abschied von Managerpositionen zu versüßen.

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