VW übernimmt Karmann
Nov 23rd, 2009 | By admin | Category: Auto & VerkehrFür den Automobilstandort Osnabrück eröffnen sich durch das Engagement von VW beim insolventen Automobilzulieferer Karmann nun doch wieder neue Zukunftsperspektiven, allerdings zu einem hohen Preis für sowohl die Arbeitnehmer als auch die Gesellschafter. VW hat sich für einen radikalen Schnitt entschieden: Karmann wird weder übernommen noch werden Anteile erworben, stattdessen wird die komplette Infrastruktur den Eigentümern abgekauft und von einer neu zu gründenden VW-Tochter übernommen werden. Dies betrifft sowohl die Grundstücke als auch den Maschinenpark.
Diese Tochtergesellschaft soll sehr kurzfristig gegründet werden und im Jahr 2011 die Autoproduktion aufnehmen. Bis zum Jahr 2014 sollen ca. 1000 Arbeitsplätze geschaffen werden. Unklar ist bisher, welche Modelle genau bei dem bislang auf Cabrios spezialisierten Unternehmen gefertigt werden sollen, zumal die eigenen Produktionskapazitäten von VW nicht voll ausgelastet sind. Nicht wenige Branchenkenner vermuten, daher, dass diese Rettung des Standortes Osnabrück eine politische Gefälligkeit für den niedersächsischen Ministerpräsidenten sein könnte, eine Gegenleistung für die Rolle Niedersachsens im Konflikt zwischen VW und Porsche.
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Für die Karmann Gesellschafter ist diese zumindest ein Teilerfolg, wenngleich sie nur etwa zwei Drittel des ursprünglich geforderten Kaufpreises von 60 Mio. Euro erzielen konnten. Auf die Arbeitnehmer kommen noch härtere Einschnitte zu. Die gegenwärtig noch ca. 900 Beschäftigten werden nicht übernommen, sondern müssen sich stattdessen bei dem neuen Unternehmen erneut bewerben. Zwar wurde eine bevorzugte Behandlung der bisherigen Karmann Beschäftigten bei der Personalauswahl angekündigt, eine Arbeitsplatzgarantie existiert jedoch nicht. Und diejenigen, die den Sprung zurück auf ihren alten Arbeitsplatz schaffen, werden deutlich verschlechterte Bedingungen akzeptieren müssen. Noch sind die zu diesem Zweck angekündigten Ergänzungen des VW Haustarifvertrags nicht vereinbart, aber vermutlich wird neben einem geringeren Grundeinkommen auch der Verzicht auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld hingenommen werden müssen. Nicht vergessen werden sollte auch, dass bei Karmann noch vor zwei Jahren 7000 Arbeitnehmer beschäftigt waren. Von einer erfolgreichen Rettung der Arbeitsplätze kann also nur sehr bedingt gesprochen werden.
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