Karmann-Aus ist nicht das letzte Wort

Nov 6th, 2009 | By st | Category: Auto & Verkehr
Der Karmann Gia ist der Klassiker aus der Karmann-Schmiede (C) by Mad-Max/ Pixelio

Der Karmann Gia ist der Klassiker aus der Karmann-Schmiede. © by Mad-Max/ Pixelio

Der 8. April 2009 markiert einen tiefschwarzen Tag in der Unternehmensgeschichte des Osnabrücker Unternehmens Karmann Autos: An diesem Tag stellt der 1901 von Wilhelm Karmann einst als Kutschbaubetrieb gegründete Fahrzeugbauer Insolvenzantrag. Ein rapider Auftragsrückgang und Verpflichtungen aus dem Sozialplan begründen die Zahlungsunfähigkeit. Zusätzlich belasten Karmann seit der Insolvenz verstärkt überfällige Rechnungen von Auftraggebern, die ihr Geld wegen etwaiger Regressforderungen zurückhalten. Mehr als 100 Jahre Autogeschichte stehen damit vor dem Aus, wenn sich nicht noch in letzter Minute ein “Retter” findet. Und der scheint offenbar nicht so fern: VW, jahrzehntelang einer der größten Kunden, hat inzwischen Interesse an der Übernahme von Karmann bekundet. Eine endgültige Entscheidung will VW bis zum 11. November treffen.

Das letzte Auftrags-Cabrio lief im Juni 2009 vom Band. Der Name Karmann stand fast ein Jahrhundert für eine scheinbar unendliche Erfolgsgeschichte: Über 3,3 Millionen produzierten Fahrzeugen seit 1949, davon allein ca. 225.000 des luxuriösen Mercedes-Benz CLK Cabrio. Vom VW Scirocco wurden im Zeitraum von 1974 bis 1992 sogar rund 800.000 hergestellt. Er ist damit das absatzstärkste Modell. Und nicht zu vergessen d i e Karmann-Legende: der Karmann Ghia. Annähernd 490.000 Autos waren es von 1955 bis 1974, die Karmann für VW produzierte. In den letzten Jahren verdiente Karmann sein Geld vor allem mit der Herstellung von Komplettfahrzeugen von Mercedes und Audi. Gegenwärtig baut Karmann (nur) noch Dächer, vor allem für den VW-Beetle (Mexiko) und für den BMW 1er (Osnabrück). Das Unternehmen versucht derzeit alles, um neue Märkte für sich zu erschließen. Mit der Vorstellung eines eigenen Elektroauto-Prototyps machte Karmann zuletzt auf sich aufmerksam.

Karmann hat auch das Dach für den Mercedes SLK produziert. (C) by Matthias93

Karmann hat auch das Dach für den Mercedes SLK produziert. © by Matthias93/ Wikipedia

Spätestens 2006 war jedoch klar, dass Karmann Probleme hat, Aufträge von Automobilherstellern zu generieren. Ein massiver Personalabbau beginnt. Annähernd 800 Beschäftigte müssen noch im selben Jahr gehen. Dann geht es Schlag auf Schlag: Am 1. Oktober 2007 wird bekannt, dass die Streichung weiterer Stellen unumgänglich ist. Davon betroffen sind nun 1.770 Mitarbeiter – 900 in Rheine, 870 in Osnabrück. Knapp ein Jahr später, im September 2008, wird die Einstellung der Fahrzeugfertigung für 2009 öffentlich gemacht. Eine weitere Reduktion des Personalbestands um etwa 1.700 Stellen erscheint unausweichlich. Fortan soll der Fokus des Unternehmens, neben Dachsystemen, vor allem auf die Fahrzeugentwicklung gerichtet sein. Am 20. Februar 2009 folgt das faktische Aus für das Werk Rheine, als dort das letzte Komplettfahrzeug vom Band rollt. Lediglich 100 der 753 Beschäftigten sollen jetzt noch bleiben dürfen. Zwei Wochen später, am 9. März, unterbreitet Karmann 1.340 Mitarbeitern im Werk Osnabrück ein für sie ernüchterndes Angebot: einen Sozialplan. Im Oktober 2009 sind nurmehr etwa 1.600 Personen am Stammsitz Osnabrück beschäftigt, von denen die Hälfte Ende des Monats von ihrer Kündigung zum 31. Januar 2010 erfahren hat.

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Wie soll es weitergehen? Wenn schon nicht als Ganzes, so sollte es wenigstens gelingen, Teile des Traditionsunternehmens Karmann Investoren schmackhaft zu machen. Potentielle Bieter haben auch schon ihr Interesse bekundet, vor allem für den Bereich Cabrio-Dächer. Die Zeit drängt, denn Karmann braucht dringend Geld. Die vielversprechendere Lösung wäre ohnehin der Einstieg des alten “Karmann-Bekannten” Volkswagen. Wenn VW sich auch offiziell interessiert zeigt, Karmann als sechstes Werk in seinen Konzern einzugliedern, so regt sich doch intern nicht unerheblicher Widerstand. Im Wesentlichen geht es um die Frage der eigenen Auslastung, wenn die Cabrioproduktion in Richtung Karmann verlagert würde. Am Ende wird sicherlich der Kaufpreis die ausschlaggebende Rolle spielen. Wenn dieser sich im Rahmen hält und die 75-Millionen-Marke nicht überschreitet, dann könnte es durchaus grünes Licht für Karmann geben. Und auf die Deadline könnte am 11. November 2009 eine Headline folgen à la “Karmann gerettet: VW übernimmt Karmann”.

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